Die (P)ostkutsche Kurztrip 6: Mikrogeschichten im südöstlichen Europa

Shownotes

Themen der Folge:

Mikrogeschichte als Zugang zu Erinnerung, Biografie und Alltag

Perspektiven auf Archivquellen, Krieg, visuelle Geschichte und Anthropologie

Austausch, Vernetzung und methodische Reflexion auf einer Nachwuchstagung

Griechische Arbeitsmigration nach Deutschland in Erinnerungen und Erzählungen

Konferenz: XII. Dr. Fritz Exner-Kolloquium zur Südosteuropaforschung „Mikrogeschichten im südöstlichen Europa“ 25.–27. März 2026 Justus-Liebig-Universität Gießen

Mit Stimmen von:

Ellinor Morack

Andreas Sienz

Ivana Dinić

Nikolai Marković

Robert Pichler

Sabine Rutar

Schnitt/Produktion/Moderation:

Emelie Zoe Bosselmann

Transkript anzeigen

00:00:13: Hallo und herzlich willkommen zu Postkutsche, dem Studierenden-Podcast der Ost- und Südosteuropäischen Geschichte Anderjordolo Gießen.

00:00:20: Hier ist wieder Emily!

00:00:21: Für diesen Kurz-Trip nehme ich euch mit auf das zwölfte Dr.

00:00:24: Fritz Exnerkologium zur Südosterupperforschung.

00:00:27: Das fand vom Vierundzwanzigsten bis Zweiemundzwezigsten März, zum Jahr im Jahr zwei Tausendsechsten, an der Justus Liebiguniversität Gießen statt und stand unter dem Titel Mikrogeschichten in Südöstlichen Europa.

00:00:40: Ich war dort nicht nur als Zuhörerin dabei sondern auch selbst als Vortragende.

00:00:45: Mein Beitrag lief im Panel Erinnerung als Mikrogeschichte und trug den Titel Familie- und Migrationsgeschichte, griechische Arbeitsmigration nach Deutschland in Erinnerungen und Erzählungen.

00:00:57: Mich hat bei dieser Konferenz vor allem die Frage interessiert was sehen wir eigentlich wenn wir Geschichte nicht nur von weit weg betrachten sondern ganz nah an einzelne Personen Familien Bilder Orte oder konkrete Situationen herangehen?

00:01:13: Ziemlich schnell wurde mir dann auch klar, dass die Themen, die da untersucht wurden sehr unterschiedlich waren.

00:01:18: Aber es gab einige gemeinsame Klammern.

00:01:21: Im Programm ging's um Erinnerungen, Archivquellen, Krieg, visuelle Geschichte und auch um kulturantropologische Mikrostudien.

00:01:37: Mein Name ist Elinor Morag.

00:01:38: ich bin Historikerin mit Schwerpunkt Osmanisches Reich an Türkischer Republik.

00:01:42: Ich interessiere mich erst besonderes Post aus manische Räume und Problematiken Und ich habe diese Tagung mit organisiert.

00:01:48: Das heißt, ich hab auch mit ausgewählt, wer hier eingeladen wird und bei der Panel-Zusammenstellung mitgemacht... ...und jetzt ein Panel kommentiert.

00:01:58: Ich bin ziemlich begeistert!

00:02:00: Ich hab hier sehr gute Vorträge gehört von Nachwuchswissenschaftlerinnen, die teilweise noch sehr am Anfang stehen oder mich selber eindrucken.

00:02:09: Und ich merke auch dass dieser Zugang über Mikrogeschichte gut funktioniert.

00:02:13: Also eben immer wieder Zwar sehr unterschiedliche Fälle diskutiert werden, aber eben doch eine übergreifende Fragestellung da ist.

00:02:20: Die das Ganze gut verbindet oder deswegen alle sehr gut und sehr interessant miteinander ins Gespräch gebracht hat?

00:02:26: Ich finde die Konferenz ziemlich gut zusammen.

00:02:28: Es ging nicht einfach nur um viele Einzelthemen sondern auch immer wieder um die größere Frage was Mikrogeschichte eigentlich sein kann.

00:02:36: Und für mich heißt es vor allem genauer hinschauen, also den Maßstab bewusst kleiner wählen um Dinge zu sehen die in großen Überblicken oft glatt gebügelt werden und gleichzeitig heißt es dann auch das kleine nicht vom Großen zu trennen sondern beides irgendwie zusammenzudenken.

00:02:52: Also

00:02:52: es hat mir richtig gut gefallen weil einfach viele Leute Akademischen Alter, die man so schön sack dabei waren.

00:03:01: Und genau es war dann neben dem sachlichen Input, den man bekommen habe auch einfach noch menschlich einen richtig schönen Austausch mit Leuten, denen man sonst nicht unbedingt trifft, die sowas ähnliches machen wie man selber und da einfach nochmal sich zwanglos auszutauschen.

00:03:18: Das fand ich auch.

00:03:19: diese Konferenz war wirklich nicht nur ein Ort für fertige Ergebnisse sondern auch für offene Fragen neue Ideen und Gespräche auf Augenhöhe.

00:03:51: nicht dass du trotz, hat mir dieser Workshop dabei sehr geholfen um zu verstehen das du Haus ein sehr gewinnbringender Ansatz für mich sein könnt.

00:04:09: Und ich habe hier nämlich mein Projekt vorgestellt im Anhand zwei mikrogeschichtliche Beispiele von regionalen Quellen aus dem Archiv in Novi Sad in Boibodina in Serbien und hab dann versucht... durch die Recherche von Schulzeugnissen.

00:04:30: Kinder aus der Novi Sad im Jahr fourtunvierzig und neunundvierzig einerseits.

00:04:35: Und dann noch ein Anhalt von Fragebögen für die Mitgliederinnen, und erst der Komitees der Fox-Jugend Jugoslawiens für die Jahre neunzehnt sechzig zu einem Beitrag zu einer großen Epoche, nämlich die Epochen des Golden Age of Social Mobility nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa beizutragen.

00:04:59: Ich finde dieser Mikrohistorische Ansatz wichtig, weil es einerseits uns hilft die Leute hinter den großen Zahlen vom Statistikel ein bisschen besser zu verstehen.

00:05:14: Individuellen, aber auch die Förder- und Ausstiegswege von Gruppen.

00:05:19: Von Personen, die sehr oft in geschichtliche Vorstellungen nicht vorkommen wie zum Beispiel ethnische Minderheiten, Frauen oder eben jüngere Menschen besser zu verstehen um deren Wege zu rekonstruieren.

00:05:34: Genau das ist für mich immer ein wichtiger Punkt.

00:05:36: Mikrogeschichte heißt nicht einfach dass man kleines Thema hat.

00:05:39: es heißt eher dass man genauer auf konkrete Fälle schaut und dadurch Menschen widersprüche und Erfahrungen sichtbar werden, die sonst schnell hinter großen Begriffen oder Statistiken verschwinden.

00:05:50: Was ich hier mitgenommen habe sind diese Begrifflichkeiten.

00:05:54: Ich habe nämlich posthioslavisch beziehungsweise ektioslavische Dauern verwendet aber im Grunde ging es ja nur um serbische unquartische nationalistische Symbole und Botschaften.

00:06:04: Und das war eine sehr wichtige Sache, die ich irgendwie so nicht gedacht habe mehrmals gesagt vor Arten ist.

00:06:14: Ja, also daran werde ich auf jeden Fall an den Begrifflichkeiten arbeite und das ist eines der größten Sachen oder den wichtigsten Sagen die ich hier mitgenommen habe.

00:06:25: Auch das gehört für mich zu einer solchen Konferenz dazu dass Projekte nach einem Vortrag nicht einfach bestätigt zurückkommen sondern auf klarer und präziser werden.

00:06:35: Begriffe werden geschärft, Kategorien hinterfragt und das eigene Material nochmal ganz neu gelesen.

00:06:43: Und genau da passt mikrohistorisches Arbeiten auch gut hinein denn Quellen sprecht nie einfach nur für sich selbst.

00:06:49: Man muss immer mitdenken aus welcher Perspektive sie entstanden sind und was die zeigen und was sie eben noch nicht zeigen.

00:06:54: Für mich selbst war das eben auch besonders spannend weil mein Vortrag im Panel Erinnerungen als Mikrogeschichte genau damit zusammenhängen.

00:07:02: Also im Programm stand mein Beitrag neben einem Vortrag zur Erinnerung römienisch-jüdischer Holocaustüberlebender an die Deportation nach Transnistrien und einen Beitrag zu ex-Jugoslawischen Graffiti in Wien.

00:07:14: In meinem eigenen Projekt geht es um griechische Arbeitsmigration nach Deutschland, also ein Thema das oft eher in großen Linien erzählt wird über Anwerbung, Arbeitsmarkt, Migration und Integration.

00:07:28: Mir wurde auf der Konferenz aber noch Einmal sehr klar, wie produktiv es auch ist.

00:07:33: Familienerzählung, Erinnerung und die Ebenen des Alltags zu schauen um solche Migrationsgeschichten anders zu verstehen und das spielt eben auch das was nicht erzählt wird eine wichtige Rolle.

00:07:44: also.

00:07:44: für mich heißt Mikro-Geschichte in diesem Zusammenhang deshalb den Maßstab kleiner zu machen ohne das große aus dem Blick zu verlieren an konkreten Menschen, Beziehungen und Praktiken entlangzugehen.

00:07:55: Und die Brüche und Lücken lieber Lieferung nicht zu glätten sondern ernstzunehmen und auch zu gucken was man daraus lesen kann also was man aus dem Schweigen lesen können.

00:08:05: Ich möchte noch dazu sagen dass wir auch ein paar Diskussion Gespräche darüber hatten was Mikrogeschichte eigentlich ist und es ist irgendwie gar nicht so einfach war das genau festzulegen.

00:08:16: ich möchte deswegen hier jetzt auch nicht die Definition geben sondern eher erzählen wie ich über diesen Begriff denke.

00:08:25: Aber gerade für die Erinnerungsforschung, also für das was ich in einem Projekt vorgestellt habe auch gemacht habe ist es eben wichtig.

00:08:32: Also Erinnerungen sind keine neutralen Speicher sondern Erzählungen die immer aus einer bestimmten Situation heraus entstehen.

00:08:39: Genau deshalb ist dieses genau hinschauen so wichtig und genau deswegen können sie viel darüber zeigen

00:08:45: wie größere historische

00:08:46: Prozesse im Alltag informieren und in persönlichen Deutungen sich niederschlagen.

00:08:56: Mein Name ist Robert Bichler.

00:08:57: Ich bin historischer Anthropologe an der Akademie der Wissenschaften in Wien, an der Abteilung für Balkanforschung und mein Forschungsschwerpunkt ist der westbalkanische Raum.

00:09:11: Hab viel über Migration geforscht in der Region aber auch zu Bildwissenschaftlichen Fragen.

00:09:21: Und der Grund, warum ich hier bin ist weil mich dieser mikrohistorische Zugang natürlich sehr interessiert.

00:09:28: Als historischer Anthropologe ist man ja auch sehr stark damit befasst.

00:09:32: das heißt Mikrogeschichte versteht sich als in der Anthropologie kann man sagen ja methodisch aus Feldforschung.

00:09:41: für mich ist das Teil meines Jobs sozusagen in die Region zu gehen oder auch in der Stadt-Feldforschung zu betreiben und eben Biografien, einzelnen Biographien herauszugreifen.

00:09:53: Oder vor allem ein Fokus ist die Untersuchung von Familien, von Familienstrukturen vom Geschlechterbeziehungen und Generationenbeziehung, die sich quasi am besten über Feldforschungen, über Oral History – und in dem Fall kann man sagen auch über microgeschichtliche Zugänge erschließen lassen!

00:10:11: Das fand ich auch besonders interessant, weil hier auch sichtbar wurde wie anschlussfähig dieser Zugang ist an Oral History, an historische Anthropologie und auch an ganz andere Forschungsfelder.

00:10:21: Ja mein Name ist Sabine Router.

00:10:23: Ich arbeite am Leibniz-Institut für Ostern, Südostar, Europaforschung in Regensburg.

00:10:28: Ich bin eine der drei Koorganisatorinnen dieses Exnekoloquiums das sich halt mit Mikrogeschichte beschäftigt.

00:10:39: Und Mikrogeschichte ist ein Begriff, wenn man anfängt zu versuchen ihn zu definieren.

00:10:44: Dann stellt man fest dass die Zunft also die Historikerzünft, die Historikerninnensunft sich da sehr uneinig ist und alle immer nur Karlo Ginsburg sagen aber dann nicht weitergehen analytisch.

00:10:56: und dann gibt es natürlich einen Haufen Texte, die aber auch sehr immanent kontingent irgendwie argumentieren.

00:11:03: Also kein Mensch weiß eigentlich was Mikro-Geschichte ist Und in den letzten anderthalb Tagen haben wir diesen Begriff von verschiedenen Seiten beleuchtet mit jungen Kolleginnen, in verschiedenen Qualifikationsstadien.

00:11:16: Also Magisterarbeit, Postmagisterarbeit schon laufende Dissertation und ich glaube wir haben sehr viel eigentlich herausgearbeitet wofür das Wort Mikro steht und auch welchen analytischen Mehrwert es hat.

00:11:33: und dass ist eben nicht einfach.

00:11:34: zu beantworten ist aber dass jeder Jede, die halt sich mit entweder Ego-Dokumenten, mit Interviews, mit Einzelschicksalen beschäftigt sich diese methodische Frage stellen muss.

00:11:46: Warum und weswegen?

00:11:47: Und wie kann man Geschichte anders erzählen wenn man so einen Zugang wählt?

00:11:52: Vielleicht ist genau das die wichtige Erkenntnis aus diesen Tagen in Gießen!

00:11:55: Das Mikrogeschichte kein festes Rezept ist sondern eher eine Art zu fragen also... beschreibe ich das jetzt.

00:12:03: Wie nah man an historische Gegenstände herangeht, welche Stimmen dadurch hörbar werden und wie sich von dort aus wieder größere Zusammenhänge denken lassen?

00:12:11: Und vielleicht war genau das die Stärke dieser Konferenz, dass hier das Kleine nicht gegen das Große ausgespielt wurde, sondern es immer wieder deutlich wurde, wie eng bei uns miteinander auch verbunden ist – also in Erinnerungen im Biografien, in Bildern, in Archiven.

00:12:28: Und jetzt möchte ich mich eigentlich nur noch bei allen, die da waren, bedanken und auch bei allen... ...die mit mir oder meiner Kollegin Interviews geführt haben.

00:12:37: Es kamen nicht alle dieser Interviews.

00:12:40: Nicht alle Personen, die auf der Konferenz waren in diesem Podcast vor.

00:12:44: Das tut mir auch sehr leid aber das würde leider viel zu lange werden.

00:12:48: Es waren ein paar unglaublich spannende Tage in Gießen!

00:12:51: Ich möchte es nur an alle, die jetzt nicht dabei waren, die gerne nochmal dabei wären In den Raumstellen ist dieses Colloquium jedes Jahr stattfindet.

00:13:02: Und dass es für nächstes Jahr auch wieder die Möglichkeit gibt, sich dafür zu bewerben.

00:13:06: Genau und das war's auch schon beim Kurztrip vom Ex-No-Colloquium zur Südosteuropa-Forschung in Gießen.

00:13:12: Vielen Dank fürs Zuhören!

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